- Das Kaninchen -

-Das Zwergkaninchen-

 

Merkmal Europäisches Wildkaninchen Feldhase
Körperbau Klein und gedrungen, Ohren kürzer als Kopf Groß und schlank, lange Gliedmaßen und Ohren
Gewicht 1 - 2 kg 3 - 6 kg
Fellfarbe Graubraun Rötlich braun
Tragzeit 29 - 31 Tage 40 - 42 Tage
Wurfanzahl bis 6 Mal im Jahr bis 4 Mal im Jahr
Wurfstärke 3 - 5 Junge 1 - 4 Junge
Chromosomenzahl 22 Paare (= 44) 24 Paare (= 48)
Geburtsort Nestkammer im Kaninchenbau Offene Bodenmulde (Sasse)
Jungtiere Bei Geburt ohne Fell, blind und taub, Nesthocker Bei Geburt befellt, sehend und hörend, Nestflüchter
Lebensraum Hügeliges Gebiet, Waldränder, zum Graben geeigneter Boden, auch Parkanlagen Offene Flächen
Soziales Verhalten gesellig, jedes Tier hat aber seinen eigenen Kessel mit Röhrensystem ungesellig
     

Die hier genannten Daten gelten auch für nicht reinrassige Zwergkaninchen und Zwergwidder.

  • Gewicht je nach Rasse: 0,7 - 2,5 kg
  • Körpertemperatur: 38 - 39,5 °C
  • Atemfrequenz: 50-150/ min.
  • Herzfrequenz: 120-150 Schläge/min.
  • Lebenserwartung: 6 - 10 Jahre
  • Geschlechtsreife: 3 - 5 Monate
  • Tragzeit: 28 - 33 Tage
  • Wurfstärke: 2 - 6 Junge

-Die Anschaffung-

Zwergkaninchen sind süß, aber vor der Anschaffung sollte man einige Vorbereitungen treffen und sich über einige Dinge klar werden:

  • Soll das Kaninchen ein Geschenk für das Kind sein immer daran denken, dass man für das Tier mitverantwortlich ist. Oft verlieren Kinder das Interesse an den Tieren und die Arbeit bleibt an den Eltern hängen.
  • Ein Kaninchen ist mehr Arbeit als man denkt. Fütterung, Pflege und Beschäftigung mit dem Tier nehmen eine Stunde und mehr am Tag in Anspruch.
  • Kaninchen müssen frei laufen können. Empfindliche und teure Bodenbeläge und Möbel sind nicht geeignet.
  • Ein Zwergkaninchen wird nicht immer stubenrein. Es sollte nichts ausmachen, wenn das Tier ab und zu auf den Boden macht.
  • Hast du jemanden, der auf die Zwergkaninchen aufpasst, wenn du z.B.im Urlaub bist?
  • Zwergkaninchen werden auch mal krank. Die Genesung braucht Zeit und Geld für Medikamente und den Tierarzt.
  • Gibt es bereits andere Haustiere mit denen sich der Neuankömmling unter Umständen nicht verträgt?
  • Ist jemand in der Familie allergisch auf Zwergkaninchen?
  • Ein Zwergkaninchen wird bei guter Pflege bis zu zehn Jahre alt. So lange muss für die Tiere gesorgt werden.

Sind diese Dinge kein Problem, dann kannst du schon fast loslegen. Vor dem Kauf muss aber erstmal die richtige Ausstattung für die Zwerge gekauft werden, damit sie es gleich richtig schön haben, wenn sie in ihr neues Zuhause kommen.

Generell sind Kaninchen immer glücklicher, wenn sie zu zweit oder mehr gehalten werden. Von Einzelhaltung raten wir strikt ab. In der Natur leben Kaninchen auch in großen Gruppen. Aus Erfahrung können wir sagen, dass der Mehraufwand bei zwei und mehr Zwergkaninchen nicht wesentlich ist. Außerdem sind mehrere Kaninchen immer glücklicher. Es macht richtig Spaß, ihnen zuzusehen. Zuerst ein Kaninchen zu kaufen um später ein zweites nachzukaufen ist möglich, aber nicht optimal. Dann muss man unter Umständen eine Eingewöhnungsphase in Kauf nehmen, die anstrengend sein kann. Sind zwei Tiere von klein auf bei einander, verstehen sie sich oft besser. Am besten vertragen sich Geschwister.

Am Besten verstehen sich Geschwister verschiedenen Geschlechts, die miteinander aufgewachsen sind. Natürlich geht auch ein anderes Pärchen. Wenn du keinen Nachwuchs möchtest, solltest du das Männchen kastrieren lassen. Das hat auch den Vorteil, dass das Männchen sein Revier nicht mehr mit Urin markiert und allgemein etwas ruhiger wird.
Zwei Männchen sind eine schlechtere Kombination. Unsere Erfahrung hat aber gezeigt, dass es durchaus möglich ist, zwei Männchen zu halten. Bobby und Fridolin verstehen sich gut. Die Männchen müssen aber beide kastriert sein.
Zwei Weibchen sind eine sehr ungünstige Kombination.
Prinzipiell kann man es in jeder Kombination versuchen. Unsere haben sich nach anfänglichen Streitereien und Machtkämpfen immer miteinander verstanden. Man darf nur nicht gleich die Flinte ins Korn werfen. Es kann schon seine Zeit dauern, bis es soweit ist. Die Streitereien sollten nur unter Aufsicht stattfinden, damit notfalls eingeschritten werden kann und sich die Tiere nicht verletzen.
Wenn du schon ein oder mehr Zwergkaninchen hast kannst du sie sicherheitshalber bei der Anschaffung eines neuen mitnehmen und testen, ob sie sich beim ersten Kontakt vertragen.

- Die Ausstattung-

Folgende Grundausstattung sollte sowohl bei Innen- als auch bei Außenhaltung vorhanden sein:

  • Ein Gehege für das Tier ist die Basis für die Zwergkaninchen. Käfige sind nicht artgerecht, zumindest nicht, wenn das Tier dort einen Teil oder den ganzen Tag darin verbringen muss. Als Basis für ein größeres Gehege ist ein Käfig ok. Beim Auslauf bzw. der Gehegegröße gilt: mindestens 2m² pro Tier.
  • Ein Futternapf für Trockenfutter und optional ein Napf für Grünfutter (nicht unbedingt notwendig, wenn das alte Grünfutter regelmäßig aus dem Stall entfernt wird). Dies können Näpfe aus Ton oder Plastik sein. Plastiknäpfe werden von Zwergkaninchen allerdings gerne angenagt.
  • Ein bis zwei Trinkflaschen oder Trinknäpfe. Hier ist darauf zu achten, dass die Tiere auch daraus trinken können, denn nicht jedes Tier kommt mit jedem Trinksystem zurecht. Näpfe sind generell besser, da die Tiere dann beim trinken eine natürliche Körperhaltung haben.
  • Einstreu. Kleintierstreu aus der Zoohandlung ist hier am besten geeignet. Vorsicht bei Sägespäne aus einer Schreierei. Die ist zwar preiswert zu beschaffen, kann die Zwergkaninchenläufe aber verletzen. Es ist auch gut unter das Einstreu etwas Zeitung zu legen, damit sich dadurch ein Teil des Urins aufsaugt, dann wird das Einstreu nicht so schnell unbrauchbar. Von Vitakraft gibt es mittlerweile viele Naturstreus mit Namen wie "Kräuterwiese" oder "Waldboden". Die duften zwar schön nach Natur, wir haben aber die Erfahrung gemacht, dass sich die Halter daran mehr erfreuen, als die Zwergkaninchen selber. Unsere Zwerge jedenfalls haben dem Boden keine Beachtung geschenkt. Für empfindliche Kaninchen, die zu Schnupfen, wunden Pfoten oder Allergien neigen ist das im Versand erhältliche Hanfstreu empfehlenswert.
  • Eine Heuraufe für das Heu. Sie ist nicht unbedingt notwendig, weil das Heu auch direkt in den Stall gegeben werden kann, wegen der Sauberkeit aber nicht schlecht, da die Tiere so nicht darauf rumlaufen. Eine Heuraufe wird in der Regel an der Käfigwand befestigt. Bei einer Drahtbefestigung bitte darauf achten, dass sich die Tiere nicht daran verlezten können.
  • Ein Salzleckstein oder Mineralstein sollte vorhanden sein. Es kann sein, dass das Zwergkaninchen ein halbes Jahr nicht einmal daran leckt, dann aber mehrere Tage hintereinander. Das richtet sich nach dem Mineralhaushalt des Tieres. Auch hier auf sichere Anbringung des Steins achten. Wenn das Tier den Stein schnell verbraucht oder sogar abknabbert sollte der Stein rausgenommen werden. Zu viel davon kann ungesund sein.
  • Ein Häuschen als Unterschlupf. Am besten sind Häuschen aus Holz, die entweder in der Zoohandlung gekauft, oder auch selber gebaut werden können. Alternativ geht auch ein überdachter Unterschlupf, zum Beispiel ein Brett, das von vorne nach hinten durch die Käfiggitter durchgesteckt wird.
  • Ein Eckklo kann auch im Käfig untergebracht werden. Das setzt aber eine gewisse Größe des Käfigs voraus. Wir haben mit Eckklos gute Erfahrung gemacht. Die Kaninchen machen vorwiegend dort hinein, so das wir öfter die Eckklos leeren und den Käfig nicht so oft saubermachen müssen. Da diese Eckklos aber nicht so gut zu befestigen sind können die von den Käfiginsassen schonmal an einen anderen Platz gestellt werden.

Bitte auf eine regelmäßige Reinigung der einzelnen Dinge (Näpfe, Trinkflaschen, Käfig) achten. Falls Spülmittel benutzt wird, die Gegenstände unbedingt mit klarem Wasser abspülen.

- Käfige und Gehege -

Käfige gibt es in allen Formen und Farben. Generell gilt natürlich: Je größer der Käfig, oder das Gehege, desto besser ist das Kaninchen darin aufgehoben. Generell gilt die Fausformel: 2m² Gehege/Käfig pro Tier. Die Größe kann sich aber auch danach richten, wie viel Zeit das Kaninchen im Käfig verbringt. Wir haben für unsere Kaninchen einen dreistöckigen Käfig mit dreimal 100 x 50 cm Grundfläche (siehe Bild). Das sind insgesamt nur 1,5 m², allerdings hüpfen die Kaninchen auch 24 Stunden frei im Zimmer rum.

Der Käfig/ das Gehege sollte in einem ruhigen Zimmer sein, da Zwergkaninchen sehr empfindlich auf Lärm reagieren. Er darf auch in keinem Zugluftbereich stehen. Beim Lüften auch immer darauf achten, dass im Käfigbereich keine Zugluft entsteht. Kaninchen reagieren darauf oft mit Schnupfen und anderen Erkältungskrankheiten. Den Käfig nicht direkt an einen Heizkörper stellen und im Sommer vor direkter Sonneneinstrahlung schützen. Der Raum sollte trotzdem nicht zu dunkel sein! Oft wird davon abgeraten, Zwergkaninchenkäfige im selben Raum wie Vogelkäfige und Fernseher zu stellen. Da sich viele unserer Tiere freiwillig am liebsten neben die Vogelvolière legen, denken wir, dass es ihnen nicht schadet.

Als Zubehör wichtig: ein Futtergefäß/ -napf, eine Heuraufe und eine Nippeltränke. Je nach Bedarf der Tiere ist auch ein Schlafhäuschen nötig. Unsere drei wollen allerdings keins. Sinnvoll ist auch eine Klokiste im Käfig. Dabei muss man darauf achten, in welche Ecke das Zwergkaninchen mit Vorliebe macht und dorthin auch die Klokiste stellen.
Käfig bzw. Gehege und Zubehör müssen natürlich regelmäßig gereinigt werden. Dies sollte - je nach Verschutzung - ein bis zwei Mal in der Woche geschehen. Dazu alle Teile mit klarem, warmen bzw. heißen Wasser abspülen. Hartnäckige Verschmutzungen wegschrubben. Ab und zu können die Teile auch mit einem speziellen Desinfektionsspray für Kleintiere desinfiziert werden.

Manchmal hören wir auch von Zwergkaninchen, die in augemusterten Aquarien oder Terrarien gehalten werden. Für diese Haltung gibt es gegenüber der Käfighaltung einige Nachteile. Zum Beispiel hat das Tier nicht die Möglichkeit, seitlich aus dem Terrarium zu hüpfen. Es müsste also eine Seite des Terrariums ausgebaut werden. Auch die Belüftung ist nicht so gut wie bei einem Käfig. Auf keinen Fall darf das Terrarium/Aquarium abgedeckt werden! Es ist dann keine ausreichende Belüftung mehr gegeben. Wir betrachten die Nutzung eines Terrariums zur Zwergkaninchenhaltung an der Grenze zur Tierquälerei. Eine Haltung im Käfig oder Gehege ist auf jeden Fall vorzuziehen.

- Auslauf bei Wohnungshaltung -

Kaninchen sollten selbstverständlich so wenig Zeit wie möglich im Käfig verbringen. Unsere drei Zwergkaninchen haben 24 Stunden Auslauf. Wenn das, aus welchen Gründen auch immer, nicht möglich ist: 4-5 Stunden täglich sollten es mindestens sein. Entsprechend groß sollte dann auch das Gehege ausfallen. Als Faustregel gilt: 2m² pro Tier. Natürlich muss man beim Freilauf in Kauf nehmen, dass dadurch der Teppich etwas schneller dreckig wird und man öfter saugen muss, ebenso vergreifen sich die Nager öfter an Teppich und Teppichleisten. Das Wohl unserer Zwergkaninchens ist uns das aber wert. Kabel sollte man sicher in Kabelröhren verlegen. Die gibt es im Baumarkt für ein paar Euro und das Kaninchen läuft nicht Gefahr, bei Stromleitungen tödlich verletzt zu werden. Teppichleisten können am besten durch Leisten aus Holz ersetzt werden. Erfahrungsgemäß nagen Zwergkaninchen natürliches Vollholz mit Vorliebe an. Hier ist das beschichtete Holz mit Spanplattenkern besser geeignet und zudem billiger.
Was den Bodenbelag angeht: am besten hoppeln die Zwerge natürlich auf Teppich. Die meisten haben sich aber schnell an die Räume mit Fliesen und Parkett gewöhnt und bevorzugen an heißen Tagen diese kühleren Bodenbeläge sogar.

Ideal für ein Zwergkaninchen ist natürlich der gelegentliche Auslauf im Garten oder im Grünen. Dabei aber immer aufpassen, dass sie nicht weglaufen können, oder sogar dem Nachbarshund über den Weg läuft. Am besten das Kaninchen in ein sicheres Freigehege setzen, das auch nach oben geschlossen ist (Greifvögel!). Auch darauf achten, dass das Tier keine giftigen Pflanzen frisst. Die Außentemperatur sollte sich bei so einem Auslauf nicht wesentlich unter Zimmertemperatur befinden, also bei mindestens 15 Grad. Anfangs sollte das Tier nicht zuviel Grünfutter von Rasen etc. fressen. Der Auslauf sollte sich nicht komplett in der Sonne befinden, damit sich das Tier in den Schatten zurückziehen kann. Gut ist auch ein Holzhäuschen als Rückzugsmöglichkeit. Auch beim Auslauf nicht vergessen für Trinkwasser zu sorgen.
Übrigens stärkt viel Auslauf die Gesundheit und erhöht die Lebenserwartung.

- Außenhaltung -

Zwergkaninchen im Freien zu Halten ist möglich. Hier einige Anhaltspunkte:

  • Der Käfig sollte aus Holz sein, idealerweise etwas isoliert.
  • Er sollte Schutz gegen Marder und andere Tiere bieten (Holz- und Gitterdicke ausreichend bemessen).
  • Nicht zu viele Öffnungen, damit kein Zug entsteht. Am besten nur an der Vorderseite.
  • Der gesamte Auslauf sollte mindestens zwei Quadratmeter pro Tier betragen. Also vor dem Stall am besten noch ein Auslaufgehege bauen. Das aber auch nach oben absichern wegen Greifvögeln.
  • Das Dach sollte schräg gebaut sein, damit Regenwasser ablaufen kann.
  • Immer genug Stroh und ggf. Rindenmulch in den Käfig, damit die Kaninchen es schön warm haben.
  • Die Tiere nicht zur kalten Jahreszeit von innen nach außen umgewöhnen. Der Temperaturunterschied ist zu groß und die Kaninchen müssen auch ein dickeres Fell bilden.
  • Der Käfig sollte ausreichend groß sein, da gerade im Winter die Auslaufmöglichkeiten sehr begrenzt sind.
  • Gerade für die Außenhaltung sind mehrere Kaninchen wichtig. Sie können sich miteinander beschäftigen und sich bei Kälte gegenseitig wärmen.
  • Der Außenkäfig muss nicht so oft gereinigt werden wie bei der Innenhaltung, mindestens aber zwei Mal im Monat.

Bei der Außenhaltung sollte eines klar sein: man beschäftigt sich automatisch nicht so viel mit den Kaninchen, wie in der Wohnung. Auch der Auslauf ist in der Regel weniger, wenn die Kaninchen gerade im Winter viel Zeit im Käfig verbringen. Wir tendieren deshalb eher zu der Aussage, dass Innenhaltung, zumindest im Winter, besser ist, aber das ist eine Streitfrage.
Für die Außenhaltung empfiehlt sich ein Käfig mit angeschlossenem Auslauf. Dann aber darauf achten, dass der Auslauf komplett geschlossen ist (Greifvögel, Hunde, etc.) und nicht die Möglichkeit gibt, dass sich die Tiere nach unten durchgraben und ausbrechen können. Das kann zum Beispiel durch ein Gitter im Boden vermieden werden. Dazu wird der Boden etwa 15 cm abgetragen, das Gitter wird eingelegt und der Boden kommt wieder drauf.
Der Auslauf sollte für den Halter von oben zuganglich sein, damit er auch mal ein Zwergkaninchen rausnehmen kann, oder Futter hineingeben kann.

- Die Vergesellschaftung -

Es ist absolut normal, dass Kaninchen - auch solche die einen Partner gewöhnt sind - sich nicht sofort mit einem neuen Partner vertragen. Für unerfahrene Halter ist die Vergesellschaftung oft schwierig. Hier einige Tipps:

Am idealsten ist die Kombination Weibchen mit (kastriertem) Männchen. Das entspricht am ehesten der natürlichen Lebensweise von Kaninchen. Auch zwei kastrierte Männchen sind eine gute Kombination. Auch mehrere Männchen mit mehreren Weibchen ist möglich. Allerdings kann es hier zu Streitigkeiten unter den Weibchen kommen. Als gut hat sich bei uns bewährt, wenn es gleich viele Männchen wie Weibchen sind.

Etwas komplizierter ist es mit zwei Weibchen. Von dieser Kombination raten wir ab, denn hier sind Streitigkeiten vorprogrammiert. Das gilt leider auch oft für zwei Geschwisterweibchen. Wenn sich junge Kaninchen vor der Geschlechtsreife vertragen, ist das noch lange kein Beweis dafür, dass sie sich auch später vertragen. Auch wenn sich beide Tiere an einem neutralem Ort, zum Beispiel im Tierheim, miteinander vertragen haben, so ist das zwar noch keine Garantie dafür, dass sie sich auch zuhause auf Anhieb verstehen.

Es ist immer besser und einfacher, junge Tiere zu vergesellschaften. Bei älteren Tieren ist es schwieriger, aber nicht unmöglich. Hier ist von Seiten des Halters eben mehr Geduld gefragt. Es prallen eben verschiedene, durch die Jahre gefestigte, Charaktere aufeinander. Das ist ähnlich wie bei uns Menschen. Ungünstig ist eine Vergesellschaftung von einem älteren Tier mit einem sehr jungen Tier (unter vier Monate). Das jüngere Kaninchen kann sich noch nicht so recht gegen das ältere durchsetzen und ist hier klar im Nachteil.

Oft wir dazu geraten, die Tiere erst in nebeneinander stehenden Käfigen zu halten, damit sich die beiden beschnuppern und an einander gewöhnen können. Doch oft bewirkt man damit das Gegenteil. Die Tiere sehen und riechen sich, können aber nicht an den Partner ran um beispielsweise den Rang zu klären. Das bedeutet nur Frust für die Tiere, der sich dann bei der ersten Zusammenführung entlädt.

Vergesellschaftung von Zwergkaninchen

Für den ersten Kontakt eignet sich am besten ein neutraler Raum. Wir haben mit dem Bad gute Erfahrungen gemacht, da hier keinerlei Gerüche der Kaninchen sind und es also von keinem der Tiere als „sein“ Revier betrachtet wird. Das mindert schon mal die Aggressionen. Mittlerweile führen wir neue Tiere mit den alten aber auch im Wohnzimmer zusammen. Das bietet viel Platz und zahlreiche Möglichkeiten auszuweichen. Findet die Vergesellschaftung in einem Gehege statt, so sollte auch dies möglichst neutral sein. Also am besten vorher reinigen und neu mit Einstreu, Stroh und Heu ausstatten. Wichtig für beide Orte: sie sollten möglichst groß sein, damit sich die Tiere auch mal aus dem Weg gehen können. Ein normaler Käfig eignet sich also absolut nicht für eine Vergesellschaftung, er ist viel zu klein und hat meistens nur einen Ausgang.

Hilfreich kann auch sein, für etwas Ablenkung zu sorgen. Also ruhig etwas Heu und Grünfutter anbieten, damit sich die Tiere in den Pausen stärken können. Die Tiere können auch gestreichelt werden. Aber bitte gleiches Recht für alle, also kein Kaninchen bevorzugt behandeln.

Sind beide Tiere etwa gleich groß - also entweder beide Jungtiere oder beide ausgewachsen - und gesund, sollte man durchaus auch kleinere Kämpfe zulassen. Es ist völlig normal, dass sich die beiden erstmal gegenseitig jagen und sich auch Fell ausreißen. Oft sind das keine tiefen Bisse, da die Tiere auch bei Stress Fell verlieren. Gefährlich ist es, wenn ein Tier immer das Unterlegene ist und immer unter dem anderen liegt oder die beiden ein einziges kämpfenden Fellknäuel sind. Bei solch harten Kämpfen ist es besser, die beiden Raufbolde kurz zu trennen. Denn ein schwer verwundetes Tier hilft auch nicht weiter. Zwei kämpfende Kaninchen zu trennen ist unter Umständen sehr schmerzhaft, denn man bekommt immer einen Biss ab. Also am besten ein Handtuch oder Handschuhe dafür hernehmen.

Vergesellschaftung von Kaninchen

Grundsätzlich gilt: Nie die Hoffnung aufgeben und die Geduld verlieren - mit Ausdauer wird es klappen. Nicht entmutigen lassen - bei älteren Tieren hat es bei uns oft bis zu einem halben Jahr gedauert, bis die Zwerge wirklich hundertprozentig miteinander klar gekommen sind. Aber wir konnten bisher jede Vergesellschaftung zu einem positiven Ende bringen.

Diese Mittel wurden uns bislang allerdings nur für Männchen empfohlen. Besonders für solche, die nach der Kastration nicht wesentlich ruhiger geworden sind. Ob die Mittel auch für Weibchen gut ist, wissen wir nicht.

  • Staphisagria D 12 (Stephanskraut). Das bekam Benni in Globuli-Form, jeden Tag ein Globuli. Die sind ja süß, kann man ihnen also ins Mäulchen eingeben, dann essen sie die schon. Soll sowohl beruhigen, weniger kämpferisch machen, die Streitlust mindern als auch sexuelle Überreizung (z.B. bei kastrierten Ninchen) mindern. Bei sexueller Überreizung wird auch empfohlen: Bufo D30, Platin D30, Aurum D30, ein Mal täglich 5 Globuli.
  • Bachblüten und zwar Beech (Rotbuche) und Vine(Weinrebe). Die Dosierung kann ein Bachblüten-erfahrener Apotheker bestimmen. Bei aggressiven und eifersüchtigen Zwergen: Cherry Plum und Holly, zur Anwendung täglich zwei Tropfen ins Trinkwasser.

Für die Vergesellschaftung von Kaninchen mit anderen Haustierarten gilt als Faustregel: besser nicht! Trotzdem versuchen viele Kaninchenhalter immer wieder, ihre Langohren mit anderen Tieren zusammen zu halten. Nachfolgend haben wir mal die gängigsten Varianten aufgeführt.

- Zwergkaninchen und andere Haustiere -

Meerschweinchen

Eine Vergesellschaftung von Zwergkaninchen und Meerschweinchen ist äußerst ungünstig und geht - wenn überhaupt - nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen. Zum einen müssen von jeder Art mehrere Tiere gehalten werden, also mindestens zwei Kaninchen und zwei Meerschweinchen. Ganz wichtig ist auch ausreichend Platz, damit die Tiere Rückzugsmöglichkeiten haben und sich bei Streitereien aus dem Weg gehen können. Und damit ist kein 2m²-Gehege gemeint, sondern richtig viel Platz. Für die Meerschweinchen wichtig ist auch, dass sie Häuschen bekommen, in die sie sich zurückziehen können, sei es zum schlafen, oder einfach nur um Ruhe vor den Kaninchen zu haben. Natürlich dürfen die Häuschen nicht zu groß sein, sonst können die Kaninchen folgen.

Kaninchen und Meerschweinchen verstehen sich nicht immer miteinander. Es sind eben zwei verschiedene Arten, die sich eigentlich nichts zu sagen haben. Im besten Fall ignorieren sie sich, manchmal haben Meeris aber panische Angst vor Kaninchen, oder Kaninchen beißen die Meerschweinchen sogar. Auf diese Weise können Kaninchen die Meerschweinchen regelrecht unterdrücken. Die "Beziehung" Meerschweinchen und Kaninchen ersetzt also auf keinen Fall einen Partner der selben Art! Kaninchen und Meerschweinchen: Nein! - Im Ausnahmefall unter den oben genannten strengen Auflagen.

Mäuse und Hamster

Für die Kaninchen ist ein Zusammenleben weniger problematisch als für die Mäuse oder Hamster. Wenn ein Kaninchen mal von einem der kleinen Nager erschrocken wird kann es schonmal zubeißen - das kann auch mal tödlich ausgehen. Also Mäuse/Hamster und Kaninchen: Nein!

Chinchillas

Auch wenn Chinchillas immer beliebter bei Haustierhaltern werden, mit Kaninchen haben sie eigentlich gar nichts gemeinsam und sollten deshalb auch nicht zusammen gehalten werden. Angefangen damit, dass Chinchillas tagsüber schlafen und von Kaninchen dabei gestört würden. Auch das Gehege muss bei Chinchillas völlig anders eingerichtet sein als bei Kaninchen. Chinchillas klettern gerne und dementsprechend brauchen sie hohe Gehege mit vielen Klettermöglichkeiten wie Äste, hohe Bretter und ähnliches. Auch teilen sich die beiden Arten nicht gerne ein Revier, was zu Kämfen führen kann. Chinchillas und Kaninchen: Nein!

Vögel

Direkt zusammengehalten ist die Kombination Vögel und Kaninchen ungünstig. Lautes Gezwitscher kann die Kaninchen sehr stören. Beide Arten sollten ein getrenntes Revier haben, am besten in verschiedenen Räumen.

Doch es kommt auch auf die Vogelart an. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass sich unsere Wellensittiche nicht großartig für die Kaninchen interessieren und andersherum. Sie leben im selben Raum, allerdings jeweils auf der anderen Seite. Unsere Wellis fliegen auch kaum rum, so dass sich die Kaninchen daran nicht stören. Kaninchen und Vögel: Ja, aber nur in bestimmten Fällen, in denen sich die Tiere gegenseitig nicht beeinträchtigen.

Frettchen

Ein Kaninchen mit einem Frettchen zusammen halten ist unmöglich. Die beiden Arten sind Feinde und es kann durchaus sein, dass ein Frettchen ein Kaninchen als Nahrung erkennt und angreift, denn sie sind Fleischfresser. Auch von einer Haltung in der selben Wohnung aber in getrennten Räumen wird abgeraten, da die Kaninchen die Frettchen riechen und Angst bekommen können. Kaninchen und Frettchen: Nein!

- Wie wird das Zwergkaninchen zahm -

Die oberste Regel lautet: nichts überstürzen. Das Kaninchen bedrängen, auf den Arm nehmen, oder festhalten, damit es sich streicheln lässt, sollte vermieden werden. Dadurch wird meistens das Gegenteil bewirkt. Nach dem Kauf und dem anstrengenden Transport sollte das Kaninchen in den fertigen Käfig gesetzt werden. Das Tier dann erstmal in Ruhe lassen, damit es sich regenerieren kann und sich mit seiner neuen Umgebung vertraut machen kann. Der erste Schreck ist überwunden, wenn sich das Kaninchen zu putzen anfängt, etwas isst und entspannt im Stroh ausstreckt.

Als nächstes muss sich das Tier an den neuen Besitzer gewöhnen. Dem Käfig bitte nur langsam nähern und erstmal nur mit dem Kaninchen sprechen und es an der Hand riechen lassen. Mit etwas Geduld und ein paar Leckereien oder auch normalem Futter sollte man sich auf die Ebene des Zwergkaninchens begeben, also auf den Boden setzen. Irgendwann wird es aus reiner Neugierde von selber aus dem Käfig springen und angehoppelt kommen. Dann kannst du dem Tier erstmal ganz unverbindlich eine Karotte oder eine Drop anbieten, um zu zeigen, dass du nichts Böses willst. Dann kannst du versuchen es zu streicheln. Will das Tier das nicht, bitte nicht gleich festhalten, sondern akzeptieren, dass es noch nicht so weit ist. Wenn du dich lange genug mit dem Kaninchen auf diese Weise beschäftigst wird es Vertrauen aufbauen und sich streicheln lassen. Das kann schon mal ein paar Wochen dauern. Wie bei der Stubenreinheit ist auch hier viel Geduld angebracht.

Was Zwergkaninchen nicht mögen ist, wenn man sie in ihrem Käfig "heimsucht". Das wird oft als Angriff gewertet, da der Käfig den Ersatz des Kaninchenbaus darstellt. Also die Zwergkaninchen nicht im Käfig streicheln.
Es ist zwar schön, ein Kaninchen auf den Arm zu nehmen, allerdings nicht für die Tiere. Mette-Marit konnte das z.B. nicht besonders ausstehen, Benni schon eher, aber Spaß hat es ihm auch nicht gemacht. Also lieber das Tier am Boden lassen und etwas streicheln und sich mit ihm unterhalten.
Trotz der Zuwendung ist jedes Kaninchen anders. Manche werden gerne gestreichelt, andere mögen es überhaupt nicht, wenn sie angefasst werden. Das sollte man einfach respektieren.

- Stubenreinheit -

Prinzipiell können Zwergkaninchen stubenrein werden, nicht immer sind die Bemühungen aber von Erfolg gekrönt. Zuerst sollte man außerhalb des Käfigs in Ecken oder Nischen Hasenklos aufstellen. Je nach Zimmergröße auch mehrere. Gut eignen sich dafür Katzenklos aus der Tierhandlung. Gefüllt werden die Toiletten dann mit Zeitungspapier, Katzenstreu und Stroh (in dieser Reihenfolge). Die Kaninchen müssen anfangs mehrmals täglich in die Klos gesetzt werden, am besten wenn sie gerade ihr Geschäft irgendwo im Raum verrichtet haben. In der Hasentoilette kann man den Kleinen dann, z.B. mit einem Drop, belohnen. Das muss so lange gemacht werden, bis das Zwergkaninchen die Sache kapiert hat (klappt nicht immer). Falls dem Kaninchen eine andere Ecke des Raumes besser gefällt, es also dort vermehrt Böllerchen macht oder uriniert, sollte man mit der Hasentoilette dahin umziehen. Generell lässt es sich aber kaum vermeiden, dass das Tier auch mal auf den Boden macht. Wirklich unangenehm ist das ja auch nur, wenn es uriniert.
Wir haben derzeit eine kleine Variante. Unsere drei machen mit Vorliebe an eine bestimmte Stelle im Raum direkt vor der Hasentoilette. Auf diese Stelle haben wir eine Decke gelegt, auf der sie sonst auch gerne sitzen. Das Resultat war nicht nur, dass sie dann auf die Decke gemacht haben, auch die Anzahl der wild im Zimmer verstreuten Böllerchen ist wesentlich auf die Decke konzentriert. Wahrscheinlich, weil sie sich darauf so gerne aufhalten und dann auch ihr Geschäft verrichten.

Trotz Training: ein Zwergkaninchen ist nicht mit einer Katze zu vergleichen und nicht alle werden stubenrein. Wir haben uns daran gewöhnt, dass wir alle zwei Tage saugen müssen...

- Anknabbern von Gegenständen -

Zwergkaninchen nagen sehr gerne. Beim täglichen Auslauf in der Wohnung ist das oft ein Problem. Das beste Mittel dagegen ist immer noch die Vorbeugung. Also Kabel hinter Möbeln und in Kabelschächten verlegen, denn wenn das Tier mal ein Stromkabel erwischt, kann es gefährlich werden. Was natürlich schlecht vermieden werden kann ist, dass sich der kleine Freund an die Möbel macht. Auch Zeitungen und Zeitschriften sind begehrt - das ist zwar für die Zwergkaninchen nicht gefährlich, sofern das Papier unbehandelt ist, aber zum Schutz der Zeitschriften und Bücher hilft nur ein sicherer Plarz. Es gibt ein Anti-Knabber-Spray, das sogar etwas bringen kann, allerdings nur, wenn es öfter aufgetragen wird. Das Mittel ist eigentlich für Hunde. Es hat unserer Erfahrung nach keine negativen Nebenwirkungen. Manche Zwergkaninchen schreckt es ab, andere kümmern sich nicht darum. Einen Versuch ist es aber Wert, denn irgendwann verschwindet dann meist das Interesse an Möbeln und Tapete. Aber Vorsicht: das Interesse flammt manchmal - auch nach Jahren - wieder auf. Deswegen ist es sinnvoll, immer ein Spray im Haus zu haben. Alternativ kann auch ein Mittel ausprobiert werden, dass es für Menschen gegen Fingernägel kauen gibt. Das ist in der Apotheke für ca. 6 Euro erhältlich. Das Mittel sollte mit Handschuhen aufgetragen werden, da das Mittel unangenehm riecht. Eine weitere Variante ist Pfefferminzöl.
Es gibt auch noch eine Erziehungsmaßnahme: sobald das Tier knabbert mit einer Sprühflasche voll Wasser das Kaninchen besprühen. Das tut nicht weh, ist aber auch nicht ganz angenehm, da nass.

Das das Kaninchen alles im Haus unbeschadet lässt ist nie der Fall (Teppichleisten, Möbel, Kabel, etc.). Vor der Anschaffung sollte sich jeder darüber im Klaren sein. Damit das Kaninchen alternativ etwas zum Nagen hat sollten ihm zum Beispiel Zweige zum anknabbern angeboten werden. Nagen ist für das Zwergkaninchen generell sehr wichtig, da auf diese Weise die nachwachsenden Zähne abgenutzt werden. Kann das Tier das nicht machen hat das oft eine Zahnfehlstellung oder unkontrolliertes Zahnwachstum zur Folge. Dann müssen die Zähne regelmäßig gekürzt werden und das Tier kann nicht mehr alles essen.

- Beschäftigung -

Beschäftigung ist für jedes Kaninchen wichtig. Am bedeutsamsten ist hier natürlich die Beschäftigung mit einem Artgenossen. Ein einsames Kaninchen kann nie so zufrieden werden, wie eines dass die Beschäftigung mit einem Artgenossen hat.  Menschen und auch andere Tiere (auch Meerschweinchen!) können den Partner nicht ersetzen. Dazu kommt, dass jedes Kaninchen soviel Auslauf wie möglich braucht. Und als Auslauf gilt hier nicht ein kleiner Auslauf von zwei oder drei Quadratmetern auf einer Wiese sondern möglichst mindestens ein Raum oder ein großer - gut gegen Greifvögel und andere Räuber abgesicherter - Balkon oder eine wirklich große Wiesenfläche.

Bei allen Auslaufmöglichkeiten gilt: das wichtigste ist eine gute Absicherung. Im Zimmer heißt das Kabelschächte an wirklich allen Kabeln, keine Pflanzen im Raum, die für das Kaninchen giftig sein könnten und auch sonst keine Gegenstände, die dem Tier gefährlich werden könnte. Was die Pflanzen angeht, so gilt das natürlich auch für Garten und Balkon. Ein Balkon gehört aber durch ein stabiles Netz auch noch so abgesichert, dass Greifvögel und andere Feinde (und die gibt es auch mitten in Großstädten) keine Chance haben. Eine gute Absicherung nach oben ist auch bei einem großzügigen Gartenauslauf nötig. Hier ist es, da Kaninchen gerne graben, oft auch sinnvoll, den Auslauf auch nach unten, zum Beispiel durch ein eingegrabenes Gitter zu sichern.  Da Kaninchen aufgrund ihres kompilierten Magen-Darm Trakts jederzeit fressen können sollten müssen sie die Möglichkeit haben, jederzeit den Käfig mit zumindest Heu und Wasser aufsuchen zu können.

Ansonsten lieben alle Kaninchen Höhlen. Es ist also schön, wenn man den Tieren Unterschlüpfe und Höhlen anbieten kann. Am einfachsten sind hier natürlich Pappkartons, aber deren Lebenserwartung ist natürlich begrenzt. Auch schön sind natürlich lange Röhren, die den Tunnels der Wildkaninchen gleichen. Die gibt es auch aus Kork bzw. Baumrinde bei zooplus zu kaufen. Länger haltbar sind Häuschen aus Sperrholz und ähnlichem. Wer selbst nicht besonders handwerklich geschickt ist kann sich die Teile in den meisten Baumärkten im schon gewünschten Maß zuschneiden lassen. Zuhause können sie nach dem Zusammenbauen (mit Holzleim oder bei dickerem Holz auch mit Schrauben) noch mit ungiftiger Farbe angestrichen werden. Die Häuschen kann man schön dem Raum anpassen, wir haben zum Beispiel eines im Raumtrenner integriert. Natürlich gibt es solche Häuschen auch fertig zu kaufen, aber eine Vielzahl davon ist wirklich nur für ganz kleine Zwergkaninchen geeignet. Manch ein Kaninchen liegt auch gerne in einem Katzenkorb.

Auch schön ist es beim Freilauf Äste anzubieten, an denen die Tiere knabbern können. Natürlich nur von ungiftigen Bäumen. Die meisten eigenen sich auch nur im Frühling/Frühsommer, da sie später zuviel Bitterstoffe entwickelt haben und von den meisten Kaninchen einfach nicht mehr beachtet werden. Sicherlich wird einem auffallen, dass die Kaninchen, abhängig vom Alter und Charakter auch beim Auslauf viel herumliegen. Sie deshalb mehr einzusperren wäre falsch, denn sie genießen die Freiheit auf alle Fälle.

Auch das tägliche Futter kann eine Beschäftigungsmöglichkeit sein. So muss das Grün- oder Trockenfutter nicht immer im Käfig gegeben werden, sondern kann auch mal im Zimmer an wechselnden Orten angeboten werden. Die Kaninchen müssen das Futter so erst suchen und besonders "bequeme" Kaninchen werden so zum Verlassen des Käfigs aufgefordert. Eine gute Möglichkeit sind auch Früchte wie Apfel oder Birne, die man entweder auf eine Schnur auffädelt (einfach mit einem dicken Spieß ein Loch in das Obst stechen), oder auf einen Ast aufsteckt und das ganze dann so aufhängt, dass die Kaninchen sich etwas strecken müssen um ranzukommen. Also zum Beispiel an die Käfigdecke hängen.

Kaninchen sind Gräber und viele Kaninchen (oft besonders die weiblichen) lieben es zu graben. Wer also die Möglichkeit hat, den Kaninchen eine große Wanne mit Sand oder ähnlichem zu bieten, kann dies gerne tun. Das Kaninchen wird sich freuen, für die meisten kleinen Wohnungen ist das aber nicht geeignet. Ideal ist es in solche Buddelkisten unten eine Tuffsteinplatte (beim Steinmetz fragen) zu legen, dann nützt das Tier auch gleich die Krallen ordentlich ab. Wer im Garten die Kaninchen Gänge graben lässt muss natürlich dafür sorgen, dass sich das Kaninchen nicht ganz in die Freiheit gräbt und dass das Tier abends wieder in den Käfig zu locken ist. Gelingt das nicht und ist der Gang so lange, dass man es nicht erwischt, ist das natürlich eine Gefahr für das Tier. Denn Marder und Co dringen auch in solche engen Gänge und Höhlen vor.

Auch vom Handel werden vielen Beschäftigungsmöglichkeiten angeboten. Da gibt es zum Beispiel Stofftunnels, oder Korkröhren, in denen sich Kaninchen verstecken können. Oder kleine Bälle, die man mit Drops oder Leckereien befüllen kann, die dann rausfallen, wenn das Kaninchen sie rumschubst. Wir haben einige Kaninchen gehabt, die sich damit sehr ausdauernd, auch in der Gruppe beschäftigen konnten, ohne dass ständig was rausfällt. Andere wiederum sind dazu viel zu faul. Es ist auf jeden Fall nicht sinnvoll ein solches mit Leckereinen gefüllte Spielzeug dauerhaft anzubieten.

Eine weitere Möglichkeit, die aber viel Zeit erfordert und auch nicht für jedes Kaninchen geeignet ist, ist Kaninhop.

- Kaninhop -

Kaninhop ist eine Sportart, die in Schweden und Dänemark schon seit vielen Jahren stark verbreitet ist, und immer mehr auch nach Deutschland kommt. Mittlerweile gibt es auch hier einige Gruppen und Vereine und auch kleine Wettkämpfe. Es handelt sich dabei um eine Art Agility für Kaninchen. Viele Kaninchenbesitzer streiten sich über Nutzen oder Schaden des Ganzen. Mehr dazu weiter unten. Wir vertreten die Meinung, dass es für viele Menschen und Kaninchen eine gute Beschäftigungsmöglichkeit ist. Aber es müssen einige Voraussetzungen gegeben sein! Grundsätzlich ist erst mal nicht jedes Kaninchen dafür geeignet. Kaninchen, die sich entweder nicht gerne anfassen lassen, sehr nervös und ängstlich sind, oder aber sich nicht gerne bewegen scheiden von vornherein aus. Wer aber merkt, dass sich eines seiner Kaninchen sehr gerne bewegt und sehr zutraulich ist, kann es durchaus mal ausprobieren.

Wer wirklich beim Kaninhop antreten will, der muss das Kaninchen erst an Geschirr und Leine gewöhnen. Auch das funktioniert einfach nicht bei jedem Kaninchen. Ebenso ist bei Vewendung von Geschirr und Leine eine Gewisse Verletzungsgefahr gegeben. Dann kann man mit kleinen Hindernissen anfangen. Die gibt es im Handel, man kann sie aber auch selbst bauen. Wichtig ist jedoch, dass sich das Tier nicht daran verletzen kann, also dass die Stöckchen leicht runterfallen.  Bei den Meisterschaften in Skandinavien werden die Tiere je nach Leistung auch in eine Weitsprung und eine Hochsprunggruppe aufgeteilt. Auch da hat jedes Kaninchen seine Eigenheiten.

Grundsätzlich sei aber noch mal gesagt: man kann nicht sagen: ich schaffe mir Kaninchen an, weil ich Kaninhop machen will, sondern man kann höchstens schauen, ob das dem Kaninchen Spaß macht und es die Fähigkeiten hat. Bei den Wettkämpfen sieht man häufig Widdderkaninchen, weil diese oft zutraulicher sind als andere Rassen. Sicher sind auch die extrem kleinen Rassen ungeeignet. Vor allem aber muss man einfach schauen, ob sein Kaninchen daran Spaß hat. Auch an den Wettkämpfen wird natürlich kein Kaninchen gezwungen zu hüpfen. Wenn ein Tier schon nach der Startlinie im Gras sitzen bleibt und lieber leckere Halme frisst, ist das auch ok. Das wichtigste ist wirklich, dass durch so was kein Stress für das Tier entsteht. Aber wer will kann es mit Geduld auch zuhause ohne Leine mal ausprobieren.

Sicher genauso wenig, wie einen Hund an der Leine Gassi zu führen, oder mit einem Pferd über Hindernisse zu springen. Insofern ist die Kritik mancher, das man Kaninchen nicht anleint, oder hochhebt, damit sie animiert werden, über Hindernisse zu springen, durchaus berechtigt. Auch ist bei Verwendung von Geschirr und Leine ein gewisses Verletzungsrisiko vorhanden. Doch hier könnte man genausogut eine Grundsatzdiskussion über die generelle Heimtierhaltung vom Zaun brechen.

Wir waren in Schweden Zuschauer bei mehreren Kaninhop-Veranstaltungen und hatten meistens sehr entspannte Tiere vor uns. Auch der Umgang der Halter mit ihren Tieren war immer sehr liebevoll. Überhaupt waren die Wettbewerbe immer sehr entspannt und wenig leistungsorientert, da sie sehr klein waren und nur eine Handvoll Zuschauer kamen. Sicher muss man hier differenzieren und vieles hängt auch vom Halter und der Größe der jeweiligen Veranstaltung ab. Im leistungsorientierten Deutschland wird da mit Sicherheit oft übertrieben und es werden harte Wettkämpfe ausgetragen. Kaninhop generell zu verteufeln halten wir für kurzsichtig. Aber diese Beschäftigungsmethode ist sicher kritisch zu sehen.

Kaninhop-Links

 

- Transport -

Ein Kaninchen kann nicht wie ein Hund mit auf Reisen genommen werden. Es ist bei jeder Reise einer Belastung ausgesetzt. Deshalb gilt grundsätzlich: wenn irgendwie möglich zuhause lassen, eine gute Pflegestelle suchen oder was am allerbesten ist, jemand, der die Tiere in ihrer gewohnten Umgebung versorgt. Manchmal geht es aber nicht anders, als das Tier doch mitzunehmen.

Wenn man von vornherein weiß, dass man mit dem Tier immer wieder eine gewisse Strecke zurücklegen muss, empfiehlt es sich, es von Klein auf daran zu gewöhnen. Es gibt durchaus Tiere, die sich daran gewöhnt haben in jeden Ferien mit ins Ferienhaus zu fahren, andere Kaninchen eines sehr fleißigen Forum-Teilnehmers haben mit ihm im Wohnwagen gelebt.

Natürlich ist es für ein Kaninchen wenn möglich am besten im gewohnten Käfig zu verreisen. Da dies aber, wenn überhaupt, nur im Auto möglich ist, bieten sich verschiedene Transportboxen an (siehe unten). Jede hat vor und Nachteile, das Wichtigste ist jedoch, dass das Tier auch in der Transportbox nicht in der Sonne, aber auch nicht im Zug steht und dass es Trinkwasser und Futter zur Verfügung hat.

- Transportsysteme -

Viele Halter denken vielleicht, eine Transportbox ist für mein Kaninchen nicht nötig, denn ich will nicht mit dem Kaninchen verreisen. Aber auch wer nicht mit dem Tier auf Reisen gehen will, sollte sich die Anschaffung durchaus überlegen, denn ein Transport zum Tierarzt kann jederzeit einmal nötig sein und dann ist oft Eile geboten und keine Zeit mehr sich Gedanken zu machen, wie das Tier transportiert wird. Eine geeignete Transportbox ist nicht sehr teuer und die Anschaffung deshalb durchaus zu empfehlen. Hier eine kleinen Auswahl und Bewertung von verschiedenen Transportmöglichkeiten:

Offene Box

Ein offener Korb/eine Klapp- Einkaufsbox oder ein offener Karton ist die wohl ungeeignetste Transportmöglichkeit. Es wird immer eine zweite Person gebraucht die akribisch darauf achtet, dass das Kaninchen nicht aus dem Korb/Karton springt. Diese Transportmöglichkeit ist viel zu unsicher. Auch ein Kaninchen, das eingeschüchtert und verängstigt im Korb kauert, kann plötzlich einen Schreck bekommen und rausspringen. Besonders gefährlich ist solch ein offner Korb auch beim Tierarzt, wenn im Wartezimmer Hunde und andere Tiere umherlaufen.

Geschlossene Pappkartons

Wenn genug Luftlöcher hineingemacht werden, durchaus eine Notlösung, allerdings nicht für häufigere Transporte. Ein Pappkarton kann nicht gereinigt und desinfiziert werden und wird evtl. vom Tier auch angenagt – und kann deshalb meist nur einmal benutzt werden.

Käfig

Ein Transport im eigenen Käfig des Tieres ist nur empfehlenswert, wenn es sich um längere Transporte im Auto handelt. Es ist durchaus so, dass sich das Kaninchen hier oft am wohlsten fühlt, allerdings ist der Käfig so unhandlich und schwer, dass er für einen Transport, z.B. zum Tierarzt völlig ungeeignet ist.

Eine Alternative, wäre ein kleiner Reisekäfig, also z.B. ein Hamsterkäfig. Diese sind aber meist dann auch nicht hoch genug, dass ein Kaninchen darin bequem sitzen könnte. Wer so etwas noch zuhause hat, kann sich damit durchaus mal behelfen, extra einen solchen zu kaufen, ist aber nicht sinnvoll. Hier ist dann doch eine echte Transportbox deutlich besser – zumal man einen Käfig im Gegensatz zur Transportbox immer von unten tragen sollte, was auf Dauer sehr anstrengend sein kann.

Weidenkorb

Sie sehen sehr schön aus und sind vor allem bei Katzenbesitzern sehr beliebt, aber für Kaninchen absolut ungeeignet. Das Material wird von Kaninchen sehr gerne benagt, was wegen der Vorbehandlung der Weidenruten weder besonders gesund ist, noch dazu führt, dass der Korb nach einigen Einsätzen noch besonders ansehnlich aussieht. Was aber noch ein größeres Problem ist, dass diese Körbe nicht dicht sind, also muss man bei einem Kaninchen, dass nicht absolut stubenrein ist, zumindest ein sehr dickes Handtuch hineinlegen um auslaufen zu verhindern. Auch die Reinigung ist deutlich schwieriger als bei einer Kunststoffbox.

Tragetaschen

Tragetaschen gibt es in verschiedenen Formen – vorne oder oben offen, was natürlich für Kaninchen völlig ungeeignet ist und geschlossen. Alles in allem sind sie natürlich nicht sehr stabil und das Kaninchen hat keinen festen Boden unter den Füßen. Sie sind meist nicht bei hohen Temperaturen waschbar und häufig sehr teuer. Sie erscheinen somit als nicht sehr geeignet.

Züchtertransportboxen aus Holz

Viele Züchter benutzen noch selbstgebaute Boxen aus Holz. Die sind nicht besonders schön, sie sind schwer und vor allem sehr schlecht zu reinigen. Das Holz saugt zum Beispiel Urin auf und den bekommt man dann unmöglich wieder weg. Sie sind meist sehr sperrig und besonders im Sommer kann es darin sehr heißt werden. Damit nicht zu empfehlen.

Es gibt eine Vielzahl von unterschiedlichen Transportboxen. Jede hat ihre Vor- und Nachteile und es ist von den Umständen abhängig, welche die ideale ist.

Grundsätzlich einmal muss man sich entscheiden, wie groß die Transportbox sein soll. Will man damit nicht fliegen, kann man durchaus eine größere nehmen. Im Gegensatz zum Transport von anderen Tieren (z.B. Vögeln) ist die Verletzungsgefahr eines Kaninchens auch in einer großen Transportbox sehr gering.

Wem also eine große Transportbox nicht zu schwer oder unhandlich ist, der kann sich durchaus für eine solche entscheiden. Darin kann man dann je nach Größe der Tiere evtl. sogar mal mehrere Tiere transportieren. Das ist wohl das wichtigste Entscheidungskriterien.

Hier ein kleiner Test, der Handelsüblichen Transportboxen (die Preise sind Richtwerte und sie werde nicht ständig überprüft):

Nager Pet Caddy Compact in den Maßen 48cm  x 33cm x 23cm

Eine Vollkunststoffbox, ohne Gitter aber mit Lüftungsschlitzen – von oben zu öffnen. In verschiedenen Farben erhältlich.

Preis: 10 - 13 Euro

Vorteile:

  • die einzige Box, die den Maßen entspricht, die, die Fluggesellschaften zum Transport in der Kabine vorschreiben. Die Pet Caddy Compact passt unter den Flugzeug – Vordersitz, was bei Start und Landung vorgeschrieben ist. Wer mit Kaninchen  fliegen muss und eine Gesellschaft findet, muss also auf diese Box zurückgreifen
  • von oben zu öffnen, das Tier ist gut herauszunehmen.
  • Deckel abnehmbar
  • wenig Zuggefahr
  • gut zu reinigen und desinfizieren
  • leicht zu tragen
  • das Tier sieht auch ohne Gitter seine Umgebung genügend

Nachtteile:

  • die Scharniere nützen sich sehr leicht ab und damit ist die Box denn nicht mehr anwendbar
  • die Box ist nur mit etwas Fingerspitzengefühl zu schließen
  • es kann in der Box sehr heißt werden
  • die niedrige Höhe von den Compakt Box ist für große Kaninchen nicht ausreichend hoch, wenn die Möglichkeit besteht ist hier eine höhere Box vorzuziehen
  • schlecht einsehbar

Transportbox Gulliver Open Top

Eine Kunststoffbox bestehend aus zwei Schalen, mit Lüftungsschlitzen und mit Gittereinsatz vorne und oben. 

Preis: 26 - 29 Euro

Vorteile:

  • gut zu reinigen und desinfizieren
  • das Tier kann oben und vorne rausgenommen werden
  • guter Blick auf das Tier
  • Ablagefach im oberen Teil für Snacks – nette Spielerei, wenn auch nicht unbedingt notwendig
  • unannagbarer Gittereinsatz

Nachteile:

  • das Tier fühlt sich evtl. durch die obere Öffnung zu wenig geschützt
  • Zugempfindlich (im Sommer ok, im Winter nicht)
  • der Griff ist am oberen Gitter angebracht, so entsteht eine gewisse Instabilität und die es lastet viel Gewicht auf den Verschlüssen
  • relativ teuer

Transportbox Capri

Bestehende aus zwei Kunststoffschalen mit Lüftungsschlitzen und Gittereinsatz vorne.

Preis: 13 Euro

Vorteile:

  • gut zu reinigen und desinfizieren
  • gut zu tragen
  • günstig

Nachteile:

  • annagbares Gitter vorne

Transportbox Beauty in der Größe 46cm x 32cm x 32cm

Bestehend aus zwei Kunststoffschalen,  Lüftungsschlitze ohne Gittereinsatz; wie eine Beauty-Box aufklappbar erhältlich in Bordeaux, Türkis und Anthrazit. Im Lieferumfang enthalten: Einlegkissen. 

Preis: 17 - 22 Euro

Vorteile:

  • Box an sich gut zu waschen und desinfizieren
  • wenig Zuggefahr
  • Tier von obern herausnehmbar
  • robust und leicht

Nachteile:

  • Kissen nur bei niedrigen Temperaturen waschbar
  • das Aufklappen ist recht unkomfortable, wenn man das Tier herausnehmen will
  • schlecht einsehbar

- Auslandsumzug -

Jeder Umzug, insbesondere ein Auslandsumzug, ist Stress für das Kaninchen. Manchmal ist er aber nötig und wir möchten jedem Mut machen. Wir selbst sind mit unseren drei Kaninchen nach Schweden umgezogen und das hat deutlich besser geklappt als befürchtet. Mit das schwierigste daran ist die Entscheidung: Auto, Zug oder Flugzeug. Wenn ein Kaninchen Autofahren gewöhnt ist, ist das evtl. die beste Alternative. Wir entschieden uns, weil unsere Tiere Autofahren nicht kannten, für das Flugzeug. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich das Kaninchen so und so aufregt: Wenn ein Flug für das Tier genauso ungewohnt ist, wie eine Autofahrt, würde ich mich deshalb immer für die kürzere Alternative entscheiden. Und das ist meist der Flug.

Wir haben monatelang nach eine Airline gesucht, die Kaninchen im Passagierraum mitnimmt. Warum im Passagierraum? Selbst einige Fluggesellschaften haben uns die Auskunft gegeben, dass die Situation in vielen Frachträumen dermaßen katastrophal wäre, dass sie selbst dringend davon abraten würden. Im Passagierraum hat man da wenigstens selbst die Kontrolle. Wenn man eben eine Fluggesellschaft findet, die das zulässt. In unserem Fall war das nur Finnair, was auch dazu führte, dass wir ein Umsteigen in Helsinki auf uns nehmen mussten und nicht direkt nach Stockholm fliegen konnten.

Grundsätzlich ist meine Meinung, dass alle Airline Angestellten erst mal darauf getrimmt sind, die Mitnahme von Tieren zu verweigern. Es lohnt sich durchaus, verschiedenen Stellen und Büros der Airlines anzurufen. Ich habe mittlerweile von jemand gehört, der seine Kaninchen auch mit der Lufthansa transportieren konnte, was uns verwehrt wurde. Also oftmals nachhacken ist die einzige Möglichkeit.

Das Problem ist, dass viele Fluggesellschaften zwar kleine Hunde und Katzen im Passagierraum zulassen, aber keine Nagetiere zulassen, denn die seien zu gefährlich. Dabei gehen sie offensichtlich erst mal davon aus, dass der Besitzer so doof ist und sein Kaninchen verbotenerweise aus der Box lässt und es alles anfrisst und die Maschine abstürzt. Dieses geringe Risiko könnte man durchaus abstellen – zum Beispiel hätte ich nichts dagegen gehabt, wenn die Fluggesellschaft ein kleines Vorhängeschloss an der Box anbringt, aber da besteht keine Kompromissbereitschaft. Da hilft nur: immer wieder fragen.

Und noch ein Tipp: Hat man endlich eine Gesellschaft gefunden, die sich auf den Transport der Nager einlässt, dann unbedingt eine schriftliche Bestätigung geben lassen und die Telefonnummer des Ansprechpartners, auch wenn viele sagen, dass muss nicht auf dem Flugschein vermerkt sein.

Bei uns lief es so ab, dass bei Finnair die Mitnahme genehmigt war (die Airline musste erst für den entsprechenden Flug in Helsinki anfragen und wir mussten versichern dass die Einreisemodalitäten der Tiere nach Schweden geklärt sind) und natürlich dann am Flughafen erst mal trotzdem das gesamte Bodenpersonal die Mitnahme verweigert hat. Erst ein erneuter Anruf bei der Zuständigen Frau der Finnair-Zentrale Deutschland schaffte Klarheit und wir durften sie mitnehmen. Wie bei vielen Fluggesellschaften ist es bei Finnair so, dass pro Person eine Box mitgenommen werden darf, die je nach Airline zwischen 5 und 9 Kilo wiegen darf.  Bei uns mussten sich also Rhina und Bobby eine Box teilen, Fridolin hatte seine eigene.

Natürlich mussten wir bei der Sicherheitskontrolle (Tiere natürlich nicht durch das Röntgengerät schicken, sondern auf dem Arm durch die Absperrung tragen) noch mal nachweisen, dass die Tiere mitgenommen werden dürfen.

Im Flugzeug standen die Boxen unter dem Vordersitz – natürlich waren die Tier nervös, aber auch dank der homöopathischen Vorbereitung (s.u.) durch unsere sehr gute Tierärztin, ging es gut. Beim Umsteigen in Helsinki gaben wir allen Tieren zur Sicherheit einmal Critical Care ein, damit der Magendarmtrakt bei der doch 10-stündigen Reise nicht aus der Bewegung kommt, allerdings waren sie doch so ruhig, dass sie sogar Heu gefressen haben.

Die Einfuhr an sich war kein Problem. Drei Kaninchen sind in Schweden ohne speziellen Antrag erlaubt, so man sie seit 6 Monaten besessen hat oder man sie selbst aufgezogen hat. Hier waren auch keine Impfungen erforderlich. Alles in allem haben sie es sehr gut verkraftet und wir sind froh uns zu diesem Schritt entschlossen zu haben.

- Eckdaten -

Meist  ist es so, dass pro Person eine Box mitgenommen werden darf, die je nach Fluggesellschaft zwischen 5 und 9 Kilo wiegen darf. Auch die Maße der Box sind beschränkt – einheitlich (und das ist das schwierigste) darf die Höhe nur 25 cm betragen, damit die Box zumindest bei Start und Landung unter den Vordersitz passt. Und diesen Massen entspricht, unserer Kenntnis nach nur eine Box , die Reisebox für Nager Pet Caddy Compact in den Maßen 48cm  x 33cm x 23cm. Um es gleich vorweg zu sagen: die Box hat einige Schwächen. So ist es schwierig, eine Trinkflasche anzubringen (was aber unbedingt sein muss) und die Scharniere der Box zeigen sehr schnell Verschließerscheinungen oder gehen völlig kaputt, besonders, wenn man den Deckel aus Versehen etwas verkantet. Nichts desto trotz ist es die einzige uns bekannte Box die den Flugzeugmaßen entspricht. Die Höhe erscheint gering, aber ist für ein Kaninchen bis ca. 3 kg durchaus ok, und auch für zwei kleinere ausreichend.

Der Transport einer Box kostete bei Finnair etwas 40 Euro – liegt bei allen Fluggesellschaften ungefähr in der Höhe.

Alle anderen Boxen sind zu hoch (s.u.). Es gibt noch Tragetaschen, welche ich für Kaninchen als völlig ungeeignet einstufe.

Das Kaninchen sollte Wasser und Futter zur Verfügung haben. Bei längeren Reisen empfehle ich Critical Care und eine Spritze ohne Nadel dabei zu haben, für den Fall dass das Tier nicht selbst frisst.

Im Gegensatz zu anderen Tieren, sollten Kaninchen übrigens niemals nüchtern verreisen. Ihr Magen-Darmtrakt sollte immer in Bewegung bleiben und das bisschen Urin und Kot fängt eine dicke Zellstoffschicht oder Einstreu schon auf.

 

 


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